Wenn Verantwortung, Menschlichkeit und Unternehmertum zusammenfinden
25.02.2026
Betriebsübernahme mit Verantwortung: Ein Beruf, der Nähe verlangt
Anette Dölzer-Nachtmann ist Bestatterin. Sie begleitet Menschen auf ihrem letzten Weg – und Angehörige in einer der schwersten Phasen ihres Lebens. Sie hat die Trauerhilfe Emmerling übernommen, nachdem ihr Vater viele Jahre im Betrieb tätig war und sich der bisherige Inhaber zur Ruhe setzen wollte.
Mir war schnell klar: Dieser Beruf ist unglaublich vielseitig – und vor allem sehr sinnstiftend.
Ursprünglich war Anette Dölzer-Nachtmann Erzieherin. Fähigkeiten wie Kommunikationsstärke, psychologisches Feingefühl und der Umgang mit Trauer begleiteten sie bereits in ihrem früheren Beruf – und wurden zur wertvollen Grundlage für die Übernahme.
Die Betriebsübernahme selbst fand in einer besonderen Lebensphase statt: hochschwanger, mitten im Übergang, mit vielen neuen Verantwortungen.
Es war herausfordernd – aber alles ist machbar, wenn man gut vorbereitet ist und sich Unterstützung holt.
Sicherheit durch Vorbereitung, Familie und erfahrene Mitarbeitende
Ein entscheidender Faktor für eine gelungene Betriebsübernahme außerhalb der Familie war für sie die frühzeitige Einbindung. Bereits ein Jahr vor der offiziellen Übernahme arbeitete sie im Betrieb mit, traf Entscheidungen mit und lernte Abläufe, Mitarbeitende und Kunden intensiv kennen.
Dieses Jahr war enorm wichtig. Ich konnte sehen: Mit Familie, mit zwei kleinen Kindern – das ist machbar.
Besonders wertvoll war die Erfahrung des bestehenden Teams. Eingespielte Abläufe, Fachwissen und Vertrauen sorgten für Stabilität in einer sensiblen Übergangsphase.
„Der größte Vorteil der Übernahme war für mich die Erfahrung der Mitarbeitenden. Das gibt Sicherheit – fachlich und menschlich.“
Auch die Handwerkskammer spielte eine zentrale Rolle. Ob rechtliche Fragen, Struktur, Organisation oder Begleitung im Prozess – die Unterstützung war durchgehend präsent.
„Die Handwerkskammer war immer an meiner Seite. Egal, welche Frage – ich hatte nie das Gefühl, allein zu sein.“
Kreativität, Wandel und ein moderner Blick auf Tradition
Für Anette Dölzer-Nachtmann bedeutet Übernahme nicht, alles neu zu machen – sondern Bestehendes zu respektieren und behutsam weiterzuentwickeln. Die Bestattungskultur befindet sich im Wandel, Abschiede werden individueller, persönlicher.
Es geht nicht um Inszenierung. Es geht darum, Persönlichkeit sichtbar zu machen.
Neue, alternative Formen ergänzen klassische Bestattungen – nicht als Bruch, sondern als Erweiterung. Die Rückmeldungen der Angehörigen sind durchweg positiv.
Viele sind dankbar, dass sie Abschied so gestalten dürfen, wie es zum Menschen passt.