Die wichtigsten Verfahren zur Firmenbewertung
Für die Bewertung eines Handwerksunternehmens stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die je nach Zielsetzung und Ausgangssituation unterschiedlich angewendet werden können.
Substanzwertmethode
Alle Werte von Maschinen, Fahrzeugen, Geräten und Waren werden addiert. Das ergibt den Mindestwert des Unternehmens. Sinnvoll, wenn viele materielle Werte vorhanden sind (z. B. Fahrzeuge, Maschinenpark).
Ertragswertmethode
Der Wert ergibt sich aus den zukünftigen Gewinnen, die auf den heutigen Wert abgezinst werden. Sinnvoll, wenn der Betrieb laufende Gewinne erwirtschaftet.
AWH-Standard
(Arbeitsgemeinschaft Wertermittlung im Handwerk)
Baut auf der Ertragswertmethode auf und berücksichtigt besondere Faktoren im Handwerk, z. B. Inhaberabhängigkeit, Kundenstruktur oder Region. Besonders geeignet für kleine und mittlere Betriebe (KMU).
So läuft die Bewertung nach dem AWH-Standard ab
1.
Bewertung des Betriebsvermögens
Folgende Punkte werden berücksichtigt:
- Betrieblich notwendiges Anlage- und Umlaufvermögen, z.B. Waren- und Materialbestände
- Forderungen und halbfertige Arbeiten
Hinweis:
Der AWH-Ertragswert ist der Wert für den sogenannten Asset Deal. Forderungen und Verbindlichkeiten sind darin nicht enthalten. Sollen Gesellschaftsanteile bewertet werden, der sogenannte Share Deal, dann müssen zusätzlich Forderungen (z.B. Kundenforderungen, Halbfertige und Bankguthaben) addiert werden und Verbindlichkeiten (z.B. Lieferantenverbindlichkeiten, Bankdarlehen) müssen subtrahiert werden.
Grundstücke und Gebäude sind nicht Bestandteil der AWH-Unternehmensbewertung. Sie werden getrennt bewertet.
2.
Erfolgsprognose
Auf Basis der letzten 4 Jahresabschlüsse (Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen) wird ein Prognose gewinn ermittelt. Dabei werden betriebsfremde oder einmalige Werte berücksichtigt:
- Außerordentliche Aufwendungen bzw. Erträge
- Kalkulatorischer Unternehmerlohn (bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften)
- Kalkulatorische Miete und Verzinsung
So entsteht ein realistisches Bild der zukünftigen Ertragskraft Ihres Unternehmens.
3.
Kapitalisierungszinssatz
Zukünftige Gewinne sind unsicher. Deshalb werden sie mit einem Zinssatz „abgezinst“.
Der Kapitalisierungszinssatz setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen:
- Basiszins (i): Zinssatz einer sicheren Geldanlage, z. B. Staatsanleihe
- Risikozins (r): Zuschlag für betriebliche Risiken
Je höher das Risiko, desto höher der Zinssatz – und desto geringer der Unternehmenswert.
Typische Risiken im Handwerk
Kleine und mittlere Handwerksbetriebe haben spezielle Risiken, die den Unternehmenswert beeinflussen können.
Wichtige Beispiele:
- Kundenabhängigkeit: Gibt es einzelne Großkunden, von denen viel Umsatz abhängt?
- Markt- und Branchenentwicklung: Wie stabil ist die Nachfrage in Ihrer Region oder Branche?
- Produkt- und Leistungsangebot: Ist das Angebot breit genug oder zu stark spezialisiert?
- Mitarbeiterstruktur: Gibt es Fachkräftemangel, Überalterung oder Abhängigkeit von Schlüsselpersonen?
- Inhaberabhängigkeit: Läuft der Betrieb auch ohne Sie weiter – oder hängt alles an Ihrer Person?
- Betriebsausstattung: Sind Maschinen, Fahrzeuge und Technik auf dem aktuellen Stand?
- Finanzlage: Wie steht es um Liquidität, Eigenkapital und Verbindlichkeiten?
- Standortfaktoren: Ist Ihr Betrieb gut erreichbar, und wie stark ist der Wettbewerb vor Ort?
Der Kapitalisierungszins liegt beim AWH-Standard typischerweise zwischen 15 und 25 Prozent.
4.
Berechnung des Ertragswerts
Die vereinfachte Formel lautet:
Unternehmenswert = (Prognostizierter Gewinn / (Basiszins + Risikozins)) × 100
Beispiel:
Beträgt der erwartete Jahresgewinn 100.000 € und liegt der Kapitalisierungszins bei 20 %, ergibt sich ein Unternehmenswert (Asset Deal) von 500.000 €.
Ist der Ertragswert höher als der Substanzwert, so ist der Ertragswert der Unternehmenswert. Die Differenz zwischen Ertragswert und Substanzwert ist der ideelle Wert des Unternehmens.
Ist der Substanzwert höher als der Ertragswert, so ist der Substanzwert der Unternehmenswert. In diesen Fällen ist rein rechnerisch kein ideeller Wert zu ermitteln.