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Nachfolgeplanung im Handwerk – aber richtig!

Viele Handwerksunternehmerinnen und -unternehmer schieben das Thema Nachfolge lange vor sich her – sei es aus emotionaler Verbundenheit mit dem Betrieb oder schlicht aus Zeitmangel. Doch eine frühzeitige und strukturierte Nachfolgeplanung ist entscheidend, um das Lebenswerk zu sichern und den Übergang erfolgreich zu gestalten.

Warum Nachfolgeplanung so wichtig ist

Fehler bei der Unternehmensnachfolge können teuer werden und gefährden die Zukunft des Betriebs. Eine durchdachte Planung schafft Klarheit, sichert Arbeitsplätze und sorgt für eine geregelte Altersvorsorge. Wer rechtzeitig beginnt, kann steuerliche Vorteile nutzen und Konflikte vermeiden.

 

Wann sollte die Nachfolgeplanung beginnen?

Idealerweise sollten Unternehmerinnen und Unternehmer ab dem 55. Lebensjahr aktiv mit der Nachfolgeplanung starten. Eine erfolgreiche Übergabe kann sieben bis zehn Jahre in Anspruch nehmen – von der Suche nach einer geeigneten Nachfolge bis zur tatsächlichen Übergabe.

Frühe Planung bedeutet dabei nicht, dass sofort Entscheidungen getroffen werden müssen. Sie ermöglicht jedoch, Optionen zu prüfen, Nachfolger aufzubauen und das Unternehmen optimal vorzubereiten.

💡Tipp: Eine langfristige, kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema Nachfolge zahlt sich aus – sowohl für den Betrieb als auch für die persönliche Zukunftsplanung.

 

Ziele der Nachfolgeplanung

Bei der Betriebsnachfolge können unterschiedliche Ziele im Vordergrund stehen:

  • Sicherung der Altersversorgung durch Verkaufserlös oder fortlaufende Einnahmen
  • Erhalt des Familienbetriebs und Sicherung von Arbeitsplätzen
  • Langfristiger Fortbestand und Wachstum des Unternehmens
  • Geregelte Übergabe des Lebenswerks an qualifizierte Nachfolgerinnen oder Nachfolger

Den richtigen Zeitpunkt erkennen

Der passende Zeitpunkt für eine Betriebsübergabe hängt von vielen Faktoren ab:

  • Alter und Gesundheit der Unternehmerin oder des Unternehmers
  • Aktuelle Lage und Zukunftsperspektive der Branche
  • Wirtschaftliche Situation des Unternehmens
  • Familiäre und persönliche Umstände

Besonders günstig ist eine Übergabe, wenn der Betrieb stabil und wachstumsfähig ist. Eine klare Zukunftsperspektive erhöht auch die Attraktivität für potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger.

Ablaufplan für die erfolgreiche Betriebsübergabe im Handwerk

Vorbereitungsphase

(5–10 Jahre vor der Übergabe)

Erste Überlegungen zur Nachfolge, persönliche Ziele definieren, finanzielle und steuerliche Situation prüfen, Gespräch mit der Handwerkskammer suchen

Planungsphase

(3–5 Jahre vor der Übergabe)

Nachfolgeoptionen prüfen (Familie, Mitarbeitende, Externe), Unternehmensbewertung, rechtliche Struktur anpassen, Nachfolgeperson identifizieren

Übergabevorbereitung

(1–3 Jahre vor der Übergabe)

Nachfolge in Entscheidungsprozesse einbinden, Wissenstransfer beginnen, Verträge vorbereiten, Finanzierung klären

Übergabephase

(Im Übergabejahr)

Abschluss der Verträge, Eintragung im Handelsregister, Übergabe an Mitarbeitende und Kunden kommunizieren

 

Nachbereitungsphase

(Nach der Übergabe)

Begleitung der Nachfolge, Unterstützung bei Einarbeitung, eigene Altersversorgung umsetzen, steuerliche Nachbearbeitung

Eine Handwerkerin und ein Handwerker stehen in ihrem Betrieb.

Zehn Tipps für eine erfolgreiche Nachfolge im Handwerk

  1. Frühzeitig planen: eine gute Nachfolge braucht Zeit. Beginnen Sie rechtzeitig mit der Planung. Eine Timeline hilft Ihnen, den Überblick über die wichtigsten Schritte zu behalten
  2. Professionelle Unterstützung: Holen Sie sich frühzeitig Unterstützung – z. B. von Steuerberatern und Beratern der Handwerkskammern.
  3. Geeigneten Nachfolger finden: Ob Familienmitglied, Mitarbeiter oder externer Käufer – die Auswahl sollte auf Kompetenz, Motivation und Zukunftsvision basieren. Auch Soft Skills (Führungsstil, Umgang mit Personal und Kunden) sind entscheidend.
  4. Unternehmensbewertung professionell durchführen lassen: ein realistischer Unternehmenswert ist die Basis für faire Verhandlungen. Lassen Sie sich auch hier unterstützen.
  5. Rechtliche und steuerliche Aspekte klären: lassen Sie sich beraten zu Themen wie Übergabevertrag und Haftungsfragen, Erbschafts- und Schenkungssteuer, gesellschaftsrechtlichen Anpassungen und arbeitsrechtlichen Themen.
  6. Offene und transparente Kommunikation: Informieren Sie Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner rechtzeitig über die Nachfolge. Eine gute Kommunikation verhindert Unsicherheiten und stärkt das Vertrauen.
  7. Wissenstransfer sicherstellen: Dokumentieren Sie wichtige Abläufe, Kontakte, Verträge und Erfahrungswerte. Eine Einarbeitungsphase, in der der alte Inhaber den Nachfolger begleitet, erleichtert den Übergang enorm.
  8. Finanzierung solide planen: wenn der Nachfolger den Betrieb kauft, sollte die Finanzierung realistisch und tragfähig sein. Fördermittel, zinsgünstige Kredite und Nachfolgeprogramme können helfen.
  9. Emotionale Aspekte nicht unterschätzen: für viele Inhaber ist der Betrieb „das Lebenswerk“. Ein bewusster Abschied und gezielte Vorbereitung auf den Rollenwechsel sind wichtig, um Konflikte zu vermeiden.
  10. Veränderung zulassen: Akzeptieren Sie neue Ideen und Führungsstile.

Fazit: Früh beginnen, klug planen, gut beraten lassen!

Eine erfolgreiche Nachfolge im Handwerk braucht Zeit, Strategie und Kommunikation. Je früher Sie planen, desto mehr Gestaltungsspielraum haben Sie – für sich, Ihre Familie und Ihr Unternehmen.

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Die Handwerkskammern in Baden-Württemberg beraten Sie kostenlos und unterstützen Sie mit individueller Beratung und Praxiswissen auf Ihrem Weg zur optimalen Nachfolgelösung.

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