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Ablauf einer Betriebsübergabe im Handwerk – aus Sicht des Übergebers

Eine Betriebsübergabe im Handwerk ist ein bedeutender Schritt – persönlich wie betrieblich. Wenn Sie Ihren Handwerksbetrieb in gute Hände übergeben möchten, ist eine frühzeitige und strukturierte Vorbereitung entscheidend. Auf dieser Seite erfahren Sie, wie Sie den Übergabeprozess sinnvoll planen, passende Nachfolger finden und Ihren Betrieb so vorbereiten, dass er erfolgreich weitergeführt werden kann. So schaffen Sie Klarheit für sich selbst, Sicherheit für Ihr Team und einen starken Start für den zukünftigen Betriebsinhaber.

1.1 Informationen sammeln und Ziele klären

Bevor die eigentliche Planung beginnt, geht es darum, ein Gefühl für den vor Ihnen liegenden Weg zu bekommen, sich zu sensibilisieren und ein Netzwerk an Unterstützern aufzubauen.

  • Wissen sammeln & Netzwerk aufbauen: Sammeln Sie aktiv Informationen. Besuchen Sie Veranstaltungen, sprechen Sie mit Berufskollegen, die diesen Schritt schon gemeistert haben, und lernen Sie die zentralen Beratungsangebote kennen – allen voran das Ihrer Handwerkskammer und Ihres Steuerberaters.
  • Erste persönliche Reflexion: Beginnen Sie damit, Ihre ganz persönlichen Wünsche und groben Ziele zu formulieren. Was ist Ihnen bei einer Übergabe grundsätzlich wichtig? Diese ersten, unverbindlichen Gedanken sind die entscheidende Basis für die konkrete Planung in der nächsten Phase.

Veranstaltungen zum Thema „Nachfolge“

Beratung durch Ihre Handwerkskammer

1.2 Das Fundament legen

Hier stellen Sie die entscheidenden Weichen für den gesamten Prozess.

  • Persönliche Bereitschaft klären: Prüfen Sie ehrlich, ob Sie mental bereit sind, loszulassen. Klären Sie Ihre finanzielle Zukunft und sprechen Sie offen mit Ihrer Familie.
  • Zeitplan festlegen: Entwickeln Sie einen realistischen Zeitplan. Eine gute Nachfolge braucht u. U. mehrere Jahre Vorlauf und gibt allen Beteiligten Sicherheit.
  • Nachfolger-Optionen prüfen: Überlegen Sie, wer grundsätzlich infrage kommt (Familie, Mitarbeiter, Extern?). Binden Sie wichtige Mitarbeiter frühzeitig als Vertrauenspersonen ein.

2.1 Betrieb analysieren und Zahlen aufbereiten

Jetzt bereiten Sie Ihren Betrieb gezielt auf die Übergabe vor, um ihn für Nachfolger attraktiv zu machen.

  • Finanzen im Fokus: Sorgen Sie für aktuelle Jahresabschlüsse und bereinigte Bilanzen. Erstellen Sie eine aussagekräftige BWA des laufenden Jahres. Transparente Zahlen zeigen die wahre Ertragskraft Ihres Betriebs und schaffen Vertrauen.
  • Strukturen prüfen: Stellen Sie sicher, dass Ihr Betrieb auch ohne Sie reibungslos läuft. Klare Prozesse sind für einen Nachfolger ein entscheidendes Kriterium.

Exposé erstellen: Fassen Sie alle Stärken, Potenziale und Kennzahlen in einem aussagekräftigen Exposé zusammen. Es ist die Visitenkarte Ihres Unternehmens und der Türöffner für erste Gespräche.

2.2 Unternehmenswert und Exposé erstellen

Bestimmen Sie den realistischen Wert Ihres Unternehmens.

  • Substanz bewerten: Ermitteln Sie den Wert von Maschinen, Fuhrpark und dem Materialbestand. Für die Betriebsimmobilie ist ein separates Gutachten nötig.
  • Ideelle Werte einbeziehen: Berücksichtigen Sie auch Ihren Kundenstamm, den guten Ruf und stabile Prozesse.

Leiten Sie daraus Ihre realistische Kaufpreisvorstellung bzw. die Ausgangsbasis für den Wert einer geplanten Schenkung ab. 

3.1 Nachfolgemodell und rechtliche Struktur festlegen

Entscheiden Sie, wie die Betriebsübernahme im Handwerk erfolgen soll – zum Beispiel als Familiennachfolge, Verkauf oder Pacht. Prüfen Sie die steuerlichen und rechtlichen Folgen und passen Sie bei Bedarf die Rechtsform Ihres Unternehmens an. So stellen Sie sicher, dass die Übergabe rechtlich sauber abläuft und steuerlich optimal gestaltet ist.

Die verschiedenen Varianten der Betriebsübergabe

3.2 Notfallplan, private Regelungen und Zeitplan erstellen

Erstellen Sie einen Notfallplan für den Fall einer ungeordneten Übergabe und halten Sie klare Anweisungen fest. Denken Sie auch an private Regelungen wie Testament, Vollmachten und Verfügungen. Planen Sie Ihre Nachfolge mit einem genauen Zeitplan und in Etappenzielen, damit alle Schritte geordnet ablaufen.

4.1 Nachfolger finden und kennenlernen

Suchen Sie gezielt nach einem passenden Nachfolger oder einem geeigneten Zielunternehmen. Nutzen Sie dazu unsere Matching-Plattform, die bald auf dieser Website verfügbar sein wird. Alternativ können Sie auch auf andere Nachfolgebörsen und Netzwerke zurückgreifen oder Sie wenden sich an Ihre Handwerkskammer. Treffen Sie sich mit potenziellen Übernehmern, um Interessen, Ziele und Vorstellungen abzugleichen. Ein offenes Kennenlernen ist die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

4.2 Unterlagen bereitstellen und Analyse vorbereiten

Jetzt wird es konkret und die Karten kommen auf den Tisch. Für diese entscheidende Prüfungsphase (Due Diligence) durch den Nachfolger gilt:

  • Zuerst die Sicherheit: Bevor Sie interne Daten preisgeben, schließen Sie mit ernsthaften Interessenten eine Geheimhaltungsvereinbarung (NDA) ab. Das schützt Ihr Wissen und Ihre Betriebsgeheimnisse.
  • Dann die Transparenz: Stellen Sie alle relevanten Unterlagen (Bilanzen, Verträge, etc.) geordnet für den Nachfolger zusammen. Ein gut vorbereiteter (digitaler) Datenraum ermöglicht eine schnelle und professionelle Prüfung.
  • Strategisch mitdenken: Überlegen Sie, ob ein Verkäuferdarlehen für Sie infrage kommt. Dies kann die Gesamtfinanzierung für den Käufer erleichtern, den Abschluss sichern und zeigt Ihre Kooperationsbereitschaft.

5.1 Verträge abschließen und Formalitäten erledigen

In dieser Phase erarbeiten Sie gemeinsam mit Ihrem Nachfolger die detaillierten Vereinbarungen und Konditionen der Übergabe. Diese gemeinsam verhandelten Punkte werden anschließend in die finalen Verträge gegossen.

Wichtig: Holen Sie bei der Vertragsgestaltung juristischen Rat ein oder lassen Sie die fertigen Verträge vor der Unterzeichnung mindestens von einem Fachanwalt bzw. Steuerberater prüfen. Nur so ist gewährleistet, dass alle rechtlichen sowie steuerlichen Aspekte korrekt geregelt sind und die Übergabe für beide Seiten rechtssicher und verbindlich wird.

5.2 Übergabe kommunizieren: nach innen & außen

Erst wenn die Verträge unterschrieben und die Nachfolge besiegelt ist, sollten Sie an die Öffentlichkeit gehen.

  • Die Botschaft überbringen: Informieren Sie nun aktiv Ihre Mitarbeiter, Kunden und wichtigsten Geschäftspartner über den erfolgreichen Abschluss.

Vertrauen schaffen: Eine offene und positive Kommunikation ist entscheidend, um Unsicherheit zu vermeiden und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen.

6.1 Einarbeitung und Wissenstransfer begleiten

Unterstützen Sie den Nachfolger in der Anfangszeit und geben Sie Ihr Wissen strukturiert weiter. Helfen Sie, Kundenkontakte zu sichern und Betriebsabläufe zu stabilisieren. Eine gute Einarbeitung und die Begleitung der Nachfolge sorgen dafür, dass der Übergang reibungslos verläuft und der Betrieb erfolgreich weitergeführt wird.

6.2 Regelmäßige Abstimmung und Nachjustierung

Bleiben Sie nach der Übergabe in regelmäßigem Austausch mit dem Nachfolger. Stehen Sie beratend und für Fragen zur Verfügung. Stimmen Sie sich bei Bedarf über Finanzen, Organisation und Führungsfragen ab. Wenn nötig, nehmen Sie Anpassungen vor, um die Betriebsübernahme im Handwerk langfristig erfolgreich zu gestalten.

💡 Tipp

Nutzen Sie diesen Ablaufplan als praktische Checkliste für Ihre Betriebsübernahme im Handwerk.
Tragen Sie Ihre eigenen Termine, Aufgaben und Verantwortlichkeiten ein – so behalten Sie den Überblick und führen Ihre Unternehmensnachfolge Schritt für Schritt zum Erfolg.

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