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Varianten der Betriebsübergabe im Handwerk

Die Betriebsübergabe ist ein entscheidender Schritt für viele Handwerksbetriebe. Sie erfordert nicht nur unternehmerisches Fingerspitzengefühl, sondern auch eine gründliche Vorbereitung – sowohl in betriebswirtschaftlicher, rechtlicher als auch familiärer Hinsicht. Welche Form der Übergabe die passende ist, hängt von den individuellen Zielen, der finanziellen Lage und den persönlichen Lebensumständen ab.

Wichtige Einflussfaktoren für die richtige Übergabeform

  • Persönliche Zielsetzungen und Altersvorsorge
  • Familiäre Situation und Nachfolgeinteressen
  • Finanzielle und steuerliche Rahmenbedingungen
  • Qualifikation und Finanzierungsmöglichkeiten der Nachfolgerin oder des Nachfolgers
  • Langfristige Zukunftsperspektive des Betriebs

Verkauf des Betriebs (entgeltliche Übergabe)

Beim Verkauf des Betriebs werden Vermögenswerte, Rechte und Pflichten gegen Zahlung eines Kaufpreises übertragen. Dazu zählen unter anderem Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, Warenlager und bestehende Arbeitsverhältnisse.

Vorteile:

  • Liquidität für die Übergeberin oder den Übergeber
  • Klare Trennung zwischen Verkäufer und Käufer
  • Keine langfristige Haftung nach Abschluss (außer für zugesicherte Eigenschaften)

Nachteile:

  • Einkommensteuer auf den Veräußerungsgewinn
  • Erhöhter Verhandlungsaufwand und Bewertungsbedarf

Beteiligung des Nachfolgers / der Nachfolgerin

Eine schrittweise Übergabe kann über eine Beteiligung erfolgen. Dabei steigt die Nachfolgeperson zunächst als Mitinhaberin oder Mitinhaber ein. Die Anteile können mit der Zeit erweitert werden, bis die Nachfolge vollständig abgeschlossen ist.

Vorteile:

  • Sanfter Übergang mit Einarbeitung des Nachfolgers
  • Wissenstransfer und Erhalt der Betriebsidentität
  • Finanzielle Entlastung des Übernehmers durch Teilzahlungen

Nachteile:

  • Komplexe rechtliche und steuerliche Gestaltung
  • Erhöhte Konfliktgefahr bei Unstimmigkeiten
  • Oft muss die Rechtsform angepasst werden

Schenkung des Betriebs (unentgeltliche Übergabe)

Bei einer Schenkung wird der Betrieb ohne Kaufpreis übertragen – meist im Rahmen einer vorweggenommenen Erbfolge. Verträge müssen klar regeln, welche Vermögenswerte übergehen und ob Gegenleistungen wie Rentenzahlungen oder Nießbrauchsrechte vereinbart werden.

Vorteile:

  • Erhalt des Betriebs in Familienhand
  • Möglichkeit zur steuerlich begünstigten Übertragung
  • Planbare Altersabsicherung durch vertragliche Regelungen

Nachteile:

  • Steuerliche Risiken bei falscher Gestaltung
  • Kein direkter Verkaufserlös

Verpachtung des Betriebs

Bei der Verpachtung bleibt der Betrieb im Eigentum der Übergeberin oder des Übergebers, während eine andere Person ihn gegen Pachtzahlung weiterführt. Diese Variante eignet sich besonders, wenn die Übergabe nur zeitlich begrenzt erfolgen soll.

Vorteile:

  • Fortbestehen des Betriebs ohne vollständige Trennung
  • Laufende Einnahmen durch Pacht
  • Möglichkeit, später erneut über eine Übergabe zu entscheiden

Nachteile:

  • Verantwortung und Risiken bleiben teilweise bestehen
  • Steuerliche Komplexität bei langfristiger Verpachtung

Vergleich der Übergabevarianten

Verkauf

  • Vorteile: Sofortige Liquidität, klare Eigentumsübertragung
  • Nachteile: Steuerbelastung, Bewertungsaufwand

Beteiligung

  • Vorteile: Stufenweise Übergabe, Wissenserhalt
  • Nachteile: Komplexe Verträge, Konfliktpotenzial

Schenkung

  • Vorteile: Familienbindung, steuerliche Vorteile möglich
  • Nachteile: Kein Kapitalzufluss, Gestaltungsrisiken

Verpachtung

  • Vorteile: Laufende Einnahmen, flexible Lösung
  • Nachteile: Teilweise Haftung, geringere Kontrolle

Fazit: Individuelle Beratung lohnt sich!

Jede Betriebsübergabe ist einzigartig. Lassen Sie sich frühzeitig von Expertinnen und Experten beraten, um steuerliche und rechtliche Stolperfallen zu vermeiden.

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