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Unternehmenswert im Handwerk bestimmen

Was ist Ihr Handwerksbetrieb wert? Diese Frage ist wichtig bei Verkauf, Kauf oder Nachfolge. Neben Maschinen und Fahrzeugen zählen auch Gewinne, Kunden und Zukunftsaussichten. Eine professionelle Unternehmensbewertung – zum Beispiel nach dem AWH-Standard – schafft Klarheit und hilft bei Preisverhandlungen und Bankgesprächen. Hier erfahren Sie einfach erklärt, wie der Unternehmenswert im Handwerk ermittelt wird.

Warum ist der Unternehmenswert wichtig?

Wenn Sie einen Handwerksbetrieb kaufen oder verkaufen möchten, stellen sich zwei zentrale Fragen:

  1. Was ist der Betrieb wert?
  2. Lohnt sich der Kauf oder Verkauf?

Um diese Fragen zu beantworten, sollten Sie genau wissen, was Sie kaufen oder verkaufen:

  • Die Substanz: Maschinen, Fahrzeuge, Werkzeuge und Waren – also alles, was „anfassbar“ ist.
  • Den Betrieb als Ganzes: Eine funktionierende Einheit, die eine Kundenbasis besitzt und regelmäßig Gewinne erzielt.

Jeder Handwerksbetrieb ist einzigartig. Deshalb lässt sich der Marktwert nur schwer direkt bestimmen. Es gibt jedoch bewährte Bewertungsverfahren, mit denen Sie eine gute Orientierung für die Preisverhandlung erhalten. Zu beachten ist, dass der errechnete Wert und der tatsächliche Kaufpreis, der das Ergebnis von Verhandlungen ist, auseinander liegen können. Wichtig ist für den Übernehmer, dass der Kaufpreis finanzierbar ist, und dass der Kapitaldienst (Zins und Tilgung) aus den zukünftigen Erträgen des Unternehmens erbracht werden kann.
 

Die wichtigsten Methoden zur Unternehmensbewertung

Substanzwertmethode

Alle Werte von Maschinen, Fahrzeugen, Geräten und Waren werden addiert. Das ergibt den Mindestwert des Unternehmens. Sinnvoll, wenn viele materielle Werte vorhanden sind (z. B. Fahrzeuge, Maschinenpark).

Ertragswertmethode

Der Wert ergibt sich aus den zukünftigen Gewinnen, die auf den heutigen Wert abgezinst werden. Sinnvoll, wenn der Betrieb laufende Gewinne erwirtschaftet.

AWH-Standard

(Arbeitsgemeinschaft Wertermittlung im Handwerk) 
Baut auf der Ertragswertmethode auf und berücksichtigt besondere Faktoren im Handwerk, z. B. Inhaberabhängigkeit, Kundenstruktur oder Region. Besonders geeignet für kleine und mittlere Betriebe (KMU).

So läuft die Bewertung nach dem AWH-Standard ab

1. Bewertung des Betriebsvermögens

Folgende Punkte werden berücksichtigt:

  • Betrieblich notwendiges Anlage- und Umlaufvermögen, z.B. Waren- und Materialbestände
  • Forderungen und halbfertige Arbeiten

Hinweis:

Der AWH-Ertragswert ist der Wert für den sogenannten Asset Deal. Forderungen und Verbindlichkeiten sind darin nicht enthalten. Sollen Gesellschaftsanteile bewertet werden, der sogenannte Share Deal, dann müssen zusätzlich Forderungen (z.B. Kundenforderungen, Halbfertige und Bankguthaben) addiert werden und Verbindlichkeiten (z.B. Lieferantenverbindlichkeiten, Bankdarlehen) müssen subtrahiert werden.

Grundstücke und Gebäude sind nicht Bestandteil der AWH-Unternehmensbewertung. Sie werden getrennt bewertet.

2. Erfolgsprognose

Auf Basis der letzten 4 Jahresabschlüsse (Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen) wird ein Prognose gewinn ermittelt. Dabei werden betriebsfremde oder einmalige Werte berücksichtigt:

  • Außerordentliche Aufwendungen bzw. Erträge
  • Kalkulatorischer Unternehmerlohn (bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften)
  • Kalkulatorische Miete und Verzinsung

So entsteht ein realistisches Bild der zukünftigen Ertragskraft Ihres Unternehmens.

3. Kapitalisierungszinssatz

Zukünftige Gewinne sind unsicher. Deshalb werden sie mit einem Zinssatz „abgezinst“.
Der Kapitalisierungszinssatz setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen:

  • Basiszins (i): Zinssatz einer sicheren Geldanlage, z. B. Staatsanleihe
  • Risikozins (r): Zuschlag für betriebliche Risiken

Je höher das Risiko, desto höher der Zinssatz – und desto geringer der Unternehmenswert.

Typische Risiken im Handwerk

Kleine und mittlere Handwerksbetriebe haben spezielle Risiken, die den Unternehmenswert beeinflussen können.
Wichtige Beispiele:

  • Kundenabhängigkeit: Gibt es einzelne Großkunden, von denen viel Umsatz abhängt?
  • Markt- und Branchenentwicklung: Wie stabil ist die Nachfrage in Ihrer Region oder Branche?
  • Produkt- und Leistungsangebot: Ist das Angebot breit genug oder zu stark spezialisiert?
  • Mitarbeiterstruktur: Gibt es Fachkräftemangel, Überalterung oder Abhängigkeit von Schlüsselpersonen?
  • Inhaberabhängigkeit: Läuft der Betrieb auch ohne Sie weiter – oder hängt alles an Ihrer Person?
  • Betriebsausstattung: Sind Maschinen, Fahrzeuge und Technik auf dem aktuellen Stand?
  • Finanzlage: Wie steht es um Liquidität, Eigenkapital und Verbindlichkeiten?
  • Standortfaktoren: Ist Ihr Betrieb gut erreichbar, und wie stark ist der Wettbewerb vor Ort?

Der Kapitalisierungszins liegt beim AWH-Standard typischerweise zwischen 15 und 25 Prozent.

4. Berechnung des Ertragswerts

Die vereinfachte Formel lautet:

Unternehmenswert = (Prognostizierter Gewinn / (Basiszins + Risikozins)) × 100

Beispiel:
Beträgt der erwartete Jahresgewinn 100.000 € und liegt der Kapitalisierungszins bei 20 %, ergibt sich ein Unternehmenswert (Asset Deal) von 500.000 €.

Ist der Ertragswert höher als der Substanzwert, so ist der Ertragswert der Unternehmenswert. Die Differenz zwischen Ertragswert und Substanzwert ist der ideelle Wert des Unternehmens.

Ist der Substanzwert höher als der Ertragswert, so ist der Substanzwert der Unternehmenswert. In diesen Fällen ist rein rechnerisch kein ideeller Wert zu ermitteln.

Lohnt sich der Unternehmenskauf oder die Nachfolge?

Ob sich der Kauf oder die Übernahme eines Betriebs lohnt, lässt sich am besten mit einem Businessplan prüfen.
Diesen erstellen Sie gemeinsam mit den Betriebsberaterinnen und Betriebsberatern Ihrer Handwerkskammer.

Der Businessplan zeigt:

  • ob das Unternehmen rentabel ist,
  • ob die Finanzierung tragfähig ist,
  • und ob sich die Übernahme langfristig für Sie lohnt.

Tipp: Der Businessplan ist in erster Linie für Sie selbst gedacht – damit Sie Ihr Vorhaben realistisch einschätzen können. Erst danach dient er als Grundlage für Banken und Förderinstitute.

Fazit: Eine Unternehmensbewertung verschafft Ihnen eine verlässliche Grundlage für Ihre Entscheidung.

Die Bestimmung des Unternehmenswerts ist keine exakte Wissenschaft. 
Mit den passenden Bewertungsverfahren gibt Ihnen eine Unternehmensbewertung Sicherheit, zeigt den fairen Wert Ihres Betriebs und schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Entscheidung im Handwerk.

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Die Handwerkskammern in Baden-Württemberg beraten Sie kostenlos und unterstützen Sie mit individueller Beratung und Praxiswissen auf Ihrem Weg zur optimalen Nachfolgelösung.

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